
Unser Prophet Muhammad (möge Allâh ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) stand am Tag von Arafa vom Mittag bis zum Sonnenuntergang und flehte zu Allâh dem Erhabenen. Er widmete sich dem Gedenken Allâhs, dem Flehen um Vergebung, der Demut und erhob seine Hände in Gebeten. Sogar die Zügel seines Reittiers entglitten ihm zeitweise, doch er ließ sich davon nicht ablenken und hielt sie mit einer Hand fest, während er die andere erhob. Keine Müdigkeit konnte ihn von seinem langen Stehen und Beten abhalten. Diese Ausdauer und Hingabe zeigen die Kraft der wahren Anbetung und die Freude, die sie bereitet.
Von Dschâbir (möge Allâh mit ihm zufrieden sein) wird überliefert, dass er sagte: „Dann ritt der Gesandte Allâhs (möge Allâh ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) und kam zum Ort des Verweilens (in Arafa). Er richtete den Rücken seines Kamels Al-Qaswâ zu den Felsen, ließ den Weg von denen nehmen, die zu Fuß gingen und wandte sich der Qibla (Gebetsrichtung) zu. Er stand dort, bis die Sonne untergegangen war; das Abendrot verblasste etwas und die Sonne verschwand schließlich vollständig.“ Im Hadîth von Usâma ibn Zaid heißt es: „Ich ritt hinter dem Propheten (möge Allâh ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) in Arafa. Er erhob seine Hände zum Bittgebet. Sein Kamel wurde unruhig, sodass die Zügel herunterfielen. Er nahm die Zügel mit einer Hand, während er die andere zum Bittgebet erhoben hielt.“
Das Fasten hat am Tag von Arafa einen besonderen Vorzug und tilgt zwei Jahre an Sünden, wie es im Sahîh Muslim von Abû Qatâda Al-Ansârî (möge Allâh mit ihm zufrieden sein) überliefert wird: „Der Gesandte Allâhs (möge Allâh ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) wurde über das Fasten am Tag von Arafa gefragt und sagte: ‚Es tilgt die Sünden des vergangenen Jahres und des kommenden Jahres.‘“ Für Pilger ist es jedoch nicht Sunna, an diesem Tag zu fasten, damit er Kraft für das Bittgebet hat. As-Schâfiî (möge Allâh ihm barmherzig sein) sagte: „Es ist mir lieber, wenn der Pilger am Tag von Arafa nicht fastet. Denn der Gesandte Allâhs fastete am Tag von Arafa nicht. Das Gute liegt in allem, was der Gesandte Allâhs tat. Wer daher nicht fastet, hat mehr Kraft für das Bittgebet als der Fastende, und das beste Bittgebet ist am Tag von Arafa.“ Ibn Abdulbarr sagte: „Das Wort von As-Schâfiî ist das beste in dieser Angelegenheit.“
In den beiden Sahîh-Sammlungen wird von Umm Al-Fadl bint Al-Hârith überliefert, dass die Menschen am Tag von Arafa uneins darüber waren, ob der Prophet (möge Allâh ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) fastete. Einige sagten: „Er fastet.“ Andere sagten: „Er fastet nicht.“ Sie schickte ihm einen Becher Milch, während er auf seinem Kamel saß, und er trank sie.
Mein Bruder, du siehst, in welch tiefster Ehrfurcht und Demut der Prophet an diesem Tag war. Die Berichte der Rechtschaffenen erzählen dir von diesem erhabenen Ereignis. Stell dir vor: Demut und Unterwerfung, Bittgebete und Bedürftigkeit, Tränen der Gottesfurcht und aufrichtiges Flehen erfüllten die Herzen der Gläubigen. Allâh selbst rühmt sich vor den Engeln mit Seinen Dienern in Arafa: „Seht euch Meine Diener an, zerzaust und staubbedeckt. Was wollen diese?“ Allâhu akbar!
Welchen Anteil hast du an diesem großen Segen? Wo sind deine Demut und dein Bittgebet? Wo sind deine Tränen der Reue, dein Gottesbewusstsein und deine Unterwerfung vor Allâh dem Erhabenen? Was ist das für eine Hartherzigkeit bei einigen Pilgern, die es wagen, Allâh an diesen erhabenen Tagen ungehorsam zu sein? Wie viele Handlungen sehen wir während des Haddsch, die wir im Alltag bei anderen verurteilen würden? Und wie viel schwerer wiegt es, wenn diese Handlungen während der Pilgerfahrt begangen werden? Dazu gehören:
- Das Besteigen des Berges Arafa, das Beten darauf, die Segnungssuche (Tabarruk) daran und das Anbringen von Stoffen oder Zetteln als Beweis für den Besuch – all diese Praktiken sind unerlaubte Neuerungen. Der Prophet (möge Allâh ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) hat dergleichen nicht getan. In religiösen Angelegenheiten gilt der Grundsatz, dass wir uns ausschließlich auf das beschränken, was uns überliefert wurde, und zwar solange wir keinen eindeutigen Beweis für die Erlaubtheit einer Handlung haben.
- Rauchen. Leider ist dies unter den Pilgern weit verbreitet.
- Betteln und Bitten der Menschen um Almosen. Im Sahîh Al-Buchârî wird von Ibn Abbâs (möge Allâh mit ihm zufrieden sein) überliefert, dass er sagte: „Die Bewohner des Jemen pflegten den Haddsch zu vollziehen, ohne Proviant mitzunehmen. Sie sagten: ‚Wir verlassen uns auf Allâh.‘ In Mekka aber bettelten sie die Menschen an. Daher offenbarte Allâh den Vers: ‚Und versorgt euch mit Reisevorrat, doch der beste Vorrat ist die Gottesfurcht’ (Koran 2:197).“ Wir haben bereits erwähnt, dass Al-Fudail ibn Iyâd einen Mann sah, der in Arafa (die Menschen) um etwas bat, und zu ihm sagte: „Wen ersuchst du an diesem Ort um Hilfe außer Allâh?“
O ihr Pilger zum Haus Allâhs, vollzieht den Haddsch so, wie ihn die Rechtschaffenen vollzogen haben, und ehrt die Riten Allâhs. Erkennt den Wert und die Bedeutung dieses Tages an und vermehrt darin das Gedenken Allâhs, die Bittgebete und die Reue. Hütet euch vor nutzlosem Gerede. Nutze diese wenigen Stunden, die bald vergehen werden und dann nie wiederkehren. So beeilt euch!
Eine schöne Bemerkung: Der Gelehrte und Schriftsteller Alî At-Tantâwî sagte: „Wenn Nichtmuslime an dieser Veranstaltung teilnehmen dürften, würde ich den Vereinten Nationen vorschlagen, Vertreter einzuladen, die sich für Gleichheit und gegen Rassismus einsetzen. Sie sollten dieses einzigartige Ereignis mit eigenen Augen sehen! Es ist ein einzigartiger Anblick, der seinesgleichen sucht und der nie wieder zu sehen sein wird. Von hier aus verkündete der Prophet Muhammad (möge Allâh ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) die universellen Menschenrechte, mehr als ein Jahrtausend bevor die Französische Revolution sie formulierte. Seine Taten gingen seinen Worten voraus, während die Verfechter der Französischen Revolution ihre Ideale eher verkündeten als lebten. Als er während der Abschieds-Haddsch vor der größten muslimischen Versammlung seiner Zeit (möge Allâh ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) stand, bekräftigte er den Schutz von Leben, Vermögen und Ehre und das Verbot, sie zu verletzen. Er sagte, dass die Menschen gleich seien: ‚Ihr alle stammt von Adam ab, und Adam wurde aus Erde erschaffen.‘ Niemand darf sich über andere erheben, denn Allâh hat nicht den einen aus Gold und den anderen aus Erde erschaffen, sondern alle Menschen wurden aus derselben Erde erschaffen und Er wird sie dorthin zurückführen, dann zum Ort der Abrechnung, dann zur Belohnung oder Bestrafung. Er lehnte die Vorstellung ab, dass Adel von Abstammung, Reichtum oder ererbtem Status abhängt. Wahrer Adel entsteht durch eigene Tugenden und Taten, nicht durch Familie, Stamm, Reichtum oder Vermögen: ‚Gewiss, der geehrteste von euch bei Allâh ist der gottesfürchtigste von euch‘ (Koran 49:13).“